Schwibbogen – „Christi Geburt“

Mir ist’s, als habe Klaus Kolbe mit seinen Mitarbeitern diese Liedstrophe Gestalt werden lassen wollen. Sein neuestes Werk zeigt die Heilige Stadt, Jerusalem – die Gotteshäuser, Paläste und Wohnhäuser friedlich erleuchtet, eine Stadt, die dem ihr gegebenen Gotteswort „Ich will ihr Frieden geben“ alle Ehre macht.

Dabei geht das Entscheidende von dem aus, das im Vordergrund dargestellt ist: Hier, in der kleinen Höhle in Bethlehem ist Jesus Christus geboren, das Licht, das alle Menschen erleuchten will. Von ihm geht alles Licht und alle Bewegung auf dem Bogen aus und zu ihm führt sie zurück.

Werde Licht, du Volk der Heiden, werde Licht, Jerusalem!
Dir geht auf ein Glanz der Freuden vom geringen Bethlehem;
er, das Licht und Heil der Welt, Christus hat sich eingestellt.

(Johann Friedrich Mudre, 1736 – 1810, langjähriger Pfarrer des Erzgebirgsdorfs Mittelsaida)

In einer großen Liebe zum Detail und mit viel Sachkenntnis stellt uns Klaus Kolbe vor Augen, wie Menschen das Wunder der Christgeburt erleben:
Mein erster Blick fällt auf die Weisen aus dem Morgenland: Die Namen Caspar, Melchior und Balthasar gab ihnen die fromme Tradition und machte sie zugleich zu Vertretern der drei in der Antike bekannten Erdteile Europa, Asien und Afrika. Mit ihren Karawanen haben sie sich auf den weiten Weg gemacht. Dabei ist eine interessante „Transportpraxis“ der Antike dargestellt: Den Kamelen ließ man damals einen Esel vorausgehen, so wurden die Kamele zu einem etwas schnelleren Schritt bewegt.

Mit den geheimnisvollen Weisen sind die Wohlhabenden der Welt angekommen bei dem, der einen Reichtum schenken kann, der köstlicher ist als alle Schätze dieser Welt: Frieden im Herzen, Frieden zwischen Menschen und Völkern. Als Männer unterschiedlichen Alters weisen sie mit ihren königlichen Geschenken Gold, Weihrauch und Myrrhe hin: Hier in den Armen Marias liegt der neugeborene König, der alle Welt regieren wird, der Priester, der vor Gott fürbittend für die Welt eintritt und der Heiland, der der Welt Hilfe und Rettung bringt.

 

JavaScript ist deaktiviert!
Um diese Inhalte anzuzeigen, benötigen Sie einen JavaScript-fähigen Browser.


In emsiger Bewegung sehen wir die Hirten mit ihren Herden. Der Verkündigungsengel, der sich in alle Himmelsrichtungen dreht, hat ihnen die Botschaft der Weihnacht zugerufen: „Fürchtet euch nicht, siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr in der Stadt Davids.“ Einige von den Hirten sind schon beim Kind angekommen: Mit ihren Hirtengaben, einigen Früchten, Ähren vom Feld und einem Brot wollen sie der Heiligen Familie Freude und Hilfe bringen. Auch sie weisen damit hin auf Christus, der später selbst zum Geber wird, der Frucht im Glauben schenken kann und vor allem selber Brot des Lebens ist.

Besonders schön finde ich auch den Mann am Brunnenrad: Das Lebenselement Wasser zutage fördernd weist er hin auf Christus, der allen Lebensdurst dieser Welt stillen möchte.

Das Kunstwerk aus der Werkstatt Klaus Kolbe haben wir hier vor uns, das von allen bisherigen Arbeiten die wohl intensivste Vorbereitung erfordert hat und dem wir überdeutlich Kolbes eigene Lebens-, Glaubens- und auch Leidenserfahrungen abspüren können. Zugleich erleben wir hier eine lebendige Fortsetzung bester erzgebirgischer Tradition, denn die Darstellung der biblischen Geschichte mit Jerusalem und Bethlehem auf Weihnachtsbergen ist ja in unserem Erzgebirge, übrigens zuerst auf böhmischer Seite, mehr als 200 Jahre zurück zu verfolgen.


Auf des Lebens Pfad geleite täglich uns dein Geist und Wort;
gib uns Mut zu gutem Streite, dass wir siegen fort und fort,
stets an deiner Seite gehn, nie verzagend stille stehn!

In des Leidens Finsternissen leucht´ uns deines Trostes Licht.
Ach in unsern Kümmernissen, Jesu, ach verlass uns nicht,
bis uns in der Ewigkeit deine Lichtes Glanz erfreut!

(Michael Harzer, Pfarrer zu Seiffen)

Ich wünsche jedem Betrachter dieses wertvollen Stücks, dass er die Bitten erfüllt bekommt, die der alte Pfarrer Mudre vor über 200 Jahren an den Schluss seines schon eingangs zitierten Liedes setzt.